17 – Gelesen: Die Panem-Trilogie

Veröffentlicht: 8. Februar 2011 in Meine Meinung

Wenn man krank ist, hat man eine Menge Zeit. Die kann man zwar meist nicht besonders sinnvoll verbringen, weil der Kopf nicht mitspielt, aber oft reichen die Kapazitäten gerade noch zum Lesen. Und das habe ich auch getan – ein Glück für mich, dass am Dienstag Panem II und III frisch bei mir eingetroffen sind. Und nachdem mir die Geschichte jetzt schon seit dem Auslesen am Samstag im Kopf rumspukt, schreibe ich jetzt eine Rezi für alle drei Bände – damit wir das hinter uns haben. Für alle, die nicht wissen, worum es geht, hier eine kleine Einführung (geklaut von Amazon):

„In einem Nordamerika der fernen Zukunft regiert das Kapitol mit eiserner Hand. Die meisten Menschen in den unterjochten zwölf Distrikten kämpfen tagtäglich ums Überleben. So auch die sechzehnjährige Katniss. Sie sorgt dafür, dass ihre kleine Schwester Prim und ihre Mutter nicht verhungern, indem sie unerlaubterweise hinter dem Zaun des Distrikts auf die Jagd geht. Doch der Hunger ist nicht die größte Bedrohung: Jedes Jahr werden die „Hungerspiele” ausgetragen, eine Art Gladiatorenkampf. Aus jedem Distrikt werden dafür ein Mädchen und ein Junge zwischen zwölf und sechzehn Jahren ausgelost. Und dieses Jahr trifft es Prim. Doch Katniss geht für ihre Schwester in den grausamen Kampf, der so lange dauert, bis nur noch einer von den vierundzwanzig „Spielern” am Leben ist. Das ist furchtbar genug, doch zu allem Überfluss ist einer von Katniss’ Gegnern ausgerechnet Peeta, der ihr schon einmal das Leben gerettet hat …“

Fangen wir ganz logisch an mit Band I – Tödliche Spiele. Das Buch hatte ich vor einem knappen halben Jahr von meiner Agentin ans Herz gelegt bekommen und nicht viel später gelesen – und ich muss sagen, es hat mich wirklich geflasht. Ich war schon lange nicht mehr so begeistert und gefesselt von einem Buch. Katniss, die Protagonistin, ist sperrig, liebenswert, jugendlich, klug – und vor allem menschlich. Die ungewohnte Erzählweise im Präsens und aus der Ich-Perspektive scheint zunächst gewöhnungsbedürftig, ist aber schon nach zwei Seiten gar nicht mehr komisch. Kurzum: Ich habe das Buch geliebt, und ich habe nur deshalb mit dem zweiten Band so lange gewartet, weil ich auf den dritten gewartet habe.

Band II – Gefährliche Liebe schließt direkt an Band I an. Der zentrale Konflikt um die Dreiecksbeziehung zwischen Katniss, ihrem Gefährten Peeta aus der Arena und ihrem besten Freund, Vertrauten und Jagdgefährten Gale wird aus verschiedenen Richtungen beleuchtet, viel Charakterentwicklung gezeigt – aber im Zentrum steht zuletzt doch wieder die Arena, die Spiele, was ich gut und richtig finde. Insgesamt erfüllt das Buch viele Hoffnungen – was mir gefehlt hat, war leider der Reiz einer neuen Bedrohung. Und, nicht zu vergessen, der Fluch des zweiten Buchs hat auch vor dieser Trilogie nicht Halt gemacht – jenes „Wissen, dass da noch was kommt“, das so leicht einen Teil der Spannung frisst. So auch hier: Gerade weil ich wusste, da kommt noch ein dritter Band, war mir im Grunde ab der Verkündung der Regeländerungen für die 75. Hungerspiele klar, wie es ausgehen würde. Und noch viel schlimmer war, dass ich Recht hatte. Aber das hindert Panem II nicht daran, wie Band I ein fantastisches Buch zu sein, das mich gerührt, bewegt, gefesselt hat. Zum Lesen habe ich nur einen Tag gebraucht.

Band III – Flammender Zorn schließt genau so unmittelbar an Band II an wie es zuvor auch bei den ersten beiden Büchern der Fall war. Nachdem die Hungerspiele nun beendet sind, geht es in Band III vor allem um den Krieg zwischen Rebellen und Kapitol – und gleichzeitig auch wieder nicht. Denn ja, natürlich, Katniss ist das Gesicht der Rebellion, und natürlich steht sie nicht die ganze Zeit an vorderster Front. Trotzdem hatte ich das Gefühl, die Erzählperspektive, die im ersten und zweiten Buch so besonders, so wunderbar funktioniert hat, weil es in der Geschichte eben um Charakterentwicklung ging, darum, den Leser durch die Figur die Welt innerhalb und außerhalb der Heldin entdecken zu lassen – ist jetzt ein Hindernis. Beispielsweise bei der spektakulären Rettungsaktion ins Kapitol: Es hätte mich brennend interessiert, was dort passiert. Aber nein, der Leser darf nicht mit. Stattdessen beobachten wir Katniss, wie sie Knoten in eine Schnur bindet und sich selbst bemitleidet. Überhaupt hatte ich das Gefühl, mindestens ein Drittel des Buchs Katniss dabei Gesellschaft zu leisten, wie sie in irgendwelchen Krankenstationen versorgt wird. Das war mir zu viel, ehrlich.

Was mir auch nicht gefallen hat, war die Art, wie Suzanne Collins im Abschlussband mit der Dreier-Liebesgeschichte umgeht. Klar, Katniss konnte am Ende nicht beide nehmen. Und ich würde lügen, wenn ich behaupte, ich hätte nicht seit Band II gewusst, für wen sie sich am Ende entscheidet – die Entscheidung, übrigens, die ich selbst auch für die passendere halte und die ich daher grundsätzlich gut finde. Aber mir hat wirklich nicht gefallen, wie sie mit dem „Verlierer“ umgeht. Wie er so sang- und klanglos aus Katniss‘ Leben verschwindet, dass es nicht einmal Platz für einen Gedanken an ihn im Epilog gibt. Das ganze dritte Buch über wird die Beziehung zwischen ihm und Katniss ein bisschen lieblos behandelt, und er darf nicht mal mehr ernstzunehmende Konkurrenz für den späteren Gewinner sein. Das finde ich dem Charakter gegenüber wirklich unfair. Ich mag ihn, und er tut mir sehr leid. Er hätte im dritten Band eine bessere Behandlung verdient, finde ich. Und deswegen bin ich Frau Collins auch ein bisschen böse. Wie auch für die schon erwähnte Sache mit den Krankenstationen und fürs sinnlose Ermorden einer der liebenswertesten Figuren des Buchs plus etlicher anderer cooler Charaktere, nur um Katniss schon wieder in eine dieser Krankenstationen zu verfrachten, ehe sie ihr Ziel erreicht – und dann die Rebellen alles machen zu lassen. Ehrlich, das fand ich ziemlich blöd, und das war eine dieser Stellen, wo ich mir veralbert vorkam.

Vom letzten Showdown, wo Katniss endlich mal wieder spontan selbst die Dinge regelt, war ich dann allerdings wieder so begeistert, dass es mich fast für alles andere versöhnt hat. Überhaupt klingt das alles vermutlich nun negativer als ich es sehe. Insgesamt hat mich die Trilogie wirklich begeistert, und ich würde mich durchaus als Fan einstufen. Suzanne Collins weiß wirklich, wie man eine Geschichte erzählt. Ihre Sprache ist klar, unerschrocken und mitreißend, und sie führt den Leser mit einem unglaublichen Gefühl für Spannung durch die Bücher. Sie ist unschlagbar, wenn es darum geht, bewegende Momente zu schaffen – ich kann mich nicht erinnern, wann ich bei einem Buch zuletzt so viel geweint habe wie bei Panem. Beeindruckend auch, wie Collins mit den zahlreichen Figuren umgeht, wie sie Charaktere so einbindet, dass man sie allein durch eine kurze Erwähnung im dritten Band sofort wieder präsent hat, auch wenn die Lektüre von Band I schon eine ganze Weile her ist. Selbst bei den kleinsten Nebenrollen muss man nie nachschlagen, wer das nun nochmal war. Man ist immer mittendrin in der Geschichte, die vom ersten Absatz an einen unglaublichen Sog entfaltet. Ich bereue keinen Cent und keine Sekunde, die ich in diese wirklich lohnenswerten Bücher investiert habe, und ich würde sie jedem empfehlen, der mal wieder eine gute Reihe lesen will. Das Ende ist Geschmackssache, natürlich, und ich persönlich hätte vielleicht ein paar Dinge anders gemacht. Aber der Weg der Autorin hat seine Berechtigung. Auch wenn er mich ein bisschen verstört und aus den oben genannten Gründen auch ein wenig enttäuscht zurückgelassen hat. Aber jetzt, wo ich diese ganzen Gedanken los bin, kann ich vielleicht endlich wieder mehr an meine eigenen Geschichten denken als an Panem.

Nur eins noch: Ich frage Menschen, die meine Geschichten lesen, eigentlich immer danach, wer ihr Lieblingscharakter war. Deswegen gebe ich meinen bei anderer Menschen Bücher auch immer an. Mein Lieblingscharakter bei Panem war weder Katniss, noch Peeta, noch Gale. Es war Cinna. Eindeutig und unangefochten. Nur schade, dass er nicht so viel vorkam.

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Kommentare
  1. Jules sagt:

    Mein Liebling? Finnick, dicht gefolgt von Cinna. Weiß auch nicht, wieso. 😉

    • kurohitsuji sagt:

      Weil er in Unterhose durch den Militärbunker rennt? 😀
      Ich mochte Finnick auch sehr.

      • Jules sagt:

        Ich glaube, was mir an Finnick gefiel, war die Ernsthaftigkeit, die sich unter diesem Sunnyboy-Panzer verbarg und nur gelegentlich aufblitzte. Und, ach, er ist einfach so eine TRAGISCHE Figur!!!

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