88 – Teezeremonie

Veröffentlicht: 16. Mai 2011 in Die spinnen, die Japaner!

Ich als japanophiler Mensch lasse ja keine Gelegenheit aus, um mehr über die Kultur – vor allem die historische Kultur – von Japan zu lernen. Darum war es auch gar keine Frage: Als mein Iaidolehrer vorschlug, doch einmal einen Teezeremonienmeister einzuladen und eine Teezeremonie im privaten Kreis zu machen, war ich sofort dabei. Am Samstag war es dann soweit. Wir trafen uns bei meinem Lehrer zuhause, wo er sich auch ein wunderschönes kleines Dojo eingerichtet hat.

Nun war unser Zeremonienmeister kein Japaner, sondern Deutscher – aber wow! Ich dachte, als Iaidoka ist man schon so ein bisschen spleenig und überperfektionistisch. Aber wer Teezeremonien richtig durchführen will, der muss noch viel, viel krasser drauf sein. Das soll jetzt nicht negativ klingen, ganz ehrlich, ich fand es toll! Aber wie viele Details, wie viel ritualisierte Etikette steckt in so einer Zeremonie, wenn man es richtig macht! Jeder Ablauf, jeder einzelne Handgriff, sogar jedes der sparsamen Worte, die gesprochen werden, ist festgeschrieben – und zwar abhängig davon, wer die Gäste sind, wer der Gastgeber ist, welche Teesorte getrunken wird und welche Form die Teedose hat. Man verneigt sich öfter vor der Keramikschale als vor dem Gastgeber, und man trinkt niemals dort, wo das „Gesicht“, also die bemalte Vorderseite der Schale ist. Je nachdem, ob der Gastgeber den ersten, zweiten oder dritten Gast bewirtet, hält er den Schöpflöffel, mit dem er das Wasser aus dem Kessel holt, ein bisschen anders. In der Schule von Ueda-soke, nach der wir gestern bewirtet wurden, und die um 1600 entstand, ist die Führung des Schöpflöffels an die Führung eines Schwertes beim Nôto (also beim Zurückstecken in die Scheide) angelehnt, denn die Schule ist sehr mit dem Weg der Samurai verbunden. Ich wette, Musashi fand das auch ganz toll … 😉

Oh, und der Tee selbst. Es gibt grob gesagt zwei Arten, Tee zu trinken: Dicken Tee und dünnen Tee. Wir durften am Samstag beides probieren. Tee bei einer Teezeremonie ist ja nicht zu vergleichen mit einem normalen Teebeutel. Tatsächlich werden die Blätter zu einem leuchtend grünen Pulver gemahlen und mit einem Quirl direkt ins Wasser eingerührt, bis sich obenauf eine feine Schaumschicht bildet (und wehe dem Gastgeber, der zu große Blasen dabei produziert – das ist ganz schlechter Stil! ;-)). Das Wasser wird aus einem gusseisernen Kessel genommen, der in einem „Kohlebecken“ steht – heutzutage sind die natürlich meist elektrisch. Macht ja auch viel weniger Dreck. Die Kessel sind so gefertigt, dass sie ununterbrochen ein möglichst schönes und gut hörbares Zischen von sich geben – auf Japanisch „Der Wind in den Kiefern“ genannt. Vor jeder Teezubereitung wird eine Kelle kaltes Wasser aus einem Nachfüllbehälter in den Kessel gegeben, damit der Tee nicht zu heiß und so auch zu bitter wird.

Der dünne Tee ist vom Geschmack her unserem herkömmlichen Teebeutel-Grüntee einigermaßen ähnlich, nur eben mit Schaum. Das eigentliche Geschmackserlebnis ist der Koicha, der dicke Tee. Dafür wird so viel Teepulver benutzt, dass der Tee zuletzt in etwa die Konsistenz von Kartoffelsuppe hat, nur in einem wahnsinnig schönen Moosgrün. Allein der Anblick ist es schon wert. Der Geschmack ist … gewöhnungsbedürftig, aber nicht schlecht. Und meine Güte – ich habe ja nur drei, vier Schluck getrunken, aber das Zeug bringt einen dermaßen nach vorn, dass es kaum zu glauben ist. Todeskaffee ist nichts dagegen. Ich hab schon gesagt, zu meiner nächsten Geburtstagsfeier lade ich den Teemeister auch ein, und dann gibt es keinen Alkohol, nur dicken grünen Tee. Viel gesünder, und alle können sich freuen, weil man danach mit den grünen Zähnen und der grünen Zunge so lustig aussieht. 😉

Ach ja. Tatsächlich fänd ich es schon reizvoll, das auch zu lernen und meinen Hang nach meditativ-perfektionistischer Betätigung noch ein bisschen weiter auszuleben. Aber mal ganz abgesehen von der Zeit fehlt mir dazu auch wirklich das Geld. Teezeremoniezubehör ist noch viel, viel kostenintensiver als Iaido. Allein von der minimalistischen Ausrüstung, die der Mensch dabeihatte, hätte ich mir locker ein paar Schwerter kaufen können. 40g Tee kosten in einer annehmbaren Qualität schon mindestens 20€. Was für ein Luxus …

Also, keine Teezeremonie für mich. Aber ich freu mich drauf, das Event beizeiten mit meiner Iaidogruppe zu wiederholen. Denn da waren wir uns einig: Wir wären jederzeit wieder sofort dabei.

Zum Abschluss bleibt mir nur noch zu sagen, womit der Gastgeber jede Teezeremonie abschließt: Ich hoffe, ich habe eure Augen nicht ermüdet.

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Kommentare
  1. Chromamundo sagt:

    Bestätigt, was ich schon immer sagte:
    Tee ist was für Kranke!

    Und wenn meine Ma (Erkältungs-)Tee zelebrierte,
    – lief sie raus in den Garten
    – zupfte frischen Pfefferminz
    – trocknete ihn 2-3 Tage
    – und brühte dann frisch auf…
    Bei so nem Zeug blieb ich doch lieber gesund…

    😉

    der Chromamundo
    der grad am duftenden Mittagspausen-Kaffee schnuppert…

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