Archiv für die Kategorie ‘Prokrastination und Selbstbetrug’

So hat mich mein erster Freund immer mal genannt. Nicht sehr nett, und ich hab es ihm auch echt übel genommen, das könnt ihr mir glauben. Aber es gibt so Tage, da muss ich zugeben, er hat nicht völlig Unrecht gehabt damit. Zum Beispiel habe ich mir heute mit viel gutem Willen einen Zeitplan für den Tag erstellt. Mit großzügigen Pausen und allem drum und dran. Aber was ist?

Genau. Nichts ist.

Ich habe den Tag damit verplempert, rumzuhängen und unmotiviert in meinen Vampiren herumzulesen. Mir vorzustellen, wie es wohl weitergeht, in dem Bewusstsein, dass ich mir noch so viel ausdenken kann, schreiben tut es sich davon nicht. Habe meine Homepage-to-be bewundert und mir ausgemalt, wie cool es sein wird, wenn da nicht mehr nur Lorem Ipsum steht. Aber, natürlich trotzdem keinen richtigen Text dafür geschrieben. Nur sehr intensiv darüber nachgedacht, dass ich es ja tun könnte. Nicht mal richtig prokrastiniert habe ich heute, ich habe einfach … gar nichts gemacht. Also wirklich. Ich könnte nicht sagen, womit ich meine Zeit heute so wirklich rumgebracht habe. Oh, richtig. Ich habe darauf gewartet, dass es an der Tür klingelt, weil vielleicht der Paketdienst meine Belegexemplare bringen könnte, obwohl es dafür wohl noch ein bisschen früh ist. Suppe gegessen, Kakao getrunken. Und mich geärgert, dass ich immer noch nicht richtig Luft bekomme.

Tja. Zum Glück kann man als Mensch ja fast unendlich oft neu anfangen. Nochmal versuchen. Und versuchen, morgen mehr rauszuholen aus dem Tag. Drückt mir die Daumen, dass es klappt!

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Okay, ich gebe es zu. Ich bin seit zwei Tagen schon wieder gesund genug zum Schreiben. Zeit habe ich auch. Es würde mich also nichts davon abhalten, den ersten Teil der Vampire zu einem Ende zu bringen. Was aber tu ich stattdessen?

Genau. Ich prokrastiniere. Und zwar auf eine ganz clevere Art. Statt an den Vampiren zu schreiben, beschäftige ich mich nämlich mit Dingen, die auch mit dem Schreiben zu tun haben, und wo ich nicht mal ein schlechtes Gewissen haben muss, wenn ich sie mache. Wie, zum Beispiel, Jugendbuchideen plotten. Das Exposé für meine Weihnachtsgeschichte schreiben (Ja! Es ist fertig und abgeschickt!). Mit Maja an meiner Homepage basteln. Mich damit beschäftigen, wie das mit der Mehrwertsteuerabrechnung funktioniert. Alles gute und wichtige Sachen.

Aber, das ändert nichts daran, dass die Vampire vorangehen müssen. Wenn Teil I nicht fertig ist, kann ich ihn nicht an meine Agentin schicken, und so lange weiß ich auch nicht endgültig, dass ich  mit dem Buch auf dem richtigen Weg bin. Es macht mir ja sowieso so viele Sorgen, dieses Buch. Ich glaube, ich drücke mich, weil ich immer noch nicht die blasseste Ahnung habe, wohin die Geschichte läuft. Was passieren wird, wenn Red und Frei sich endlich finden, und vor allem: Wie ich die Geschichte innerhalb eines akzeptablen Umfangs zu einem Abschluss bringen soll. Ob das geht. Ob nicht wieder genau so viel offen bleibt am Ende wie bei Band I. Was aus meinen Charakteren wird. Ganz ehrlich, ich habe Angst um Ceddi, und um Sid. Manchmal tauchen so vage Ahnungen auf, die mich schlimmes fürchten lassen. Das Ende? Hm. Ich denke, Frei und Red kriegen eine Art Happy End. Aber ohne Verluste wird das nicht gehen. Ach, ich habe Angst. Große Angst. Und deswegen kann ich nicht weiterschreiben. Aber ich muss, ich muss …

Genug gejammert. Ich mache mich jetzt an die Arbeit. Und vielleicht schaffe ich es ja doch noch, heute einen Großbrand zu legen.

Wenn Menschen, die mich noch nicht so lange kennen, erfahren dass ich Schriftstellerin bin, ernte ich dafür oft ehrfurchtsvolle bis ungläubige Blicke. Der Dialog verläuft dann meist ungefähr so:

„Was, du hast ein Buch geschrieben?“ – „Eins? Nein … eigentlich schon sieben, aber Nr. 1-5 werden nicht veröffentlicht. Und dann sind da noch drei, die ich angefangen habe und irgendwann fertig schreiben will, und ich hab danach noch ungefähr fünf in Planung.“ – „Whoa, woher hast du denn die ganzen Ideen?“ – Och, von da und da. Aber die meisten aus dem Studium.“ – „Ach, was hast du denn studiert, Germanistik?“ – „Nee, Biologie …“

Die Blicke danach sind meist noch ungläubiger als vorher. Weil die meisten Leute nämlich nicht glauben, dass Biologie und Schriftstellerei gut zusammenpassen. Stimmt aber nicht. Es passt ganz hervorragend zusammen. Biologie ist ganz unglaublich inspirierend – es gibt so unendlich viele Abstrusitäten im Tier- und Pflanzenreich, dass einem das Hirn nach beispielsweise einer Vorlesung über Verhaltensbiologie geradezu übersprudelt vor neuen Ideen. Fast alle meine krudesten Ideen sind irgendwie biologisch beeinflusst, auch wenn man es manchmal gar nicht mehr so merkt. Am offensichtlichsten ist es natürlich bei den Hämophagen, diesen T-Phagen ähnlichen Viren, über die sich der Vampirismus in der „Blutgabe“ verbreitet. Aber auch bei meinen Feen in der „Obsidianstadt“ habe ich fleißig bei Mutter Natur geklaut: Die Feen legen ihre Eier in menschliche Wirte, wo die kleinen Feen dann schlüpfen und sich von ihrem Wirt ernähren, bis sie groß genug sind, um auszubrechen und selbst ihre Eier in irgendwen reinzulegen – so wie manche Schlupfwespen das bei Motten oder Spinnen machen. Und dann plane ich noch diese Zwitterwesen, deren Spermien in ihrem Speichel enthalten sind, und wo das Sperma sich amöboid durch jedes Gewebe fortbewegen kann, bis es die Eizelle gefunden hat. Manche Würmer und Käfer können das auch. Vergesst anstrengenden Sex – einmal ins Glas spucken reicht um jemanden zu schwängern. 😉

Die Liste könnte ich beliebig fortsetzen. Ich finde auch diese Bäume toll, die über Duftstoffe miteinander kommunizieren und sich so vor einer Giraffenhorde warnen können, die ihre Blätter fressen wollen – die Bäume fangen dann an, Bitterstoffe zu produzieren und schon schmeckts den langhälsigen Biestern nicht mehr. Ich wette, daraus ließe sich eine gute Geschichte stricken. Oder, Oktopus anthropomorph: Ein armer Kerl, der Jahre mit der Suche nach der passenden Frau verbringt, nur um dann all sein Sperma in seinen Arm zu pumpen, den Arm abreißt und nach der Frau wirft, in der Hoffnung, sie dadurch zu befruchten …

Okay. Das wird vielleicht ein bisschen zu wild. 😉

Aber ja, ein bisschen vermisse ich die Uni und die wilden Geschichten, die man da so hört. Deswegen ja auch mein Studium zur Fachjournalistin – dann kann ich biologische Fachzeitschriften von der Steuer absetzen, und es ist keine Prokrastination, sie dann auch zu lesen. Und wenn ich da in diesem Kontext drüber nachdenke, bin ich gleich viel motivierter, mich an meine Unterlagen für dieses staubtrockene Modul zu Medienrecht zu setzen …

Ich könnte zur Zeit ja eigentlich relativ entspannt sein. Mein Schreibprogramm für die nächsten Monate steht, ich soll sogar Geld bekommen dafür, die Vampire kommen langsam auch wieder in Schwung, ich habe schon eine feine Idee für ein Jugendbuch und brauche jetzt nur noch eine dritte fürs Gespräch mit der Lektorin im Mai, und da kommt vorher auch nichts auf mich zu. Das einzige, worauf ich zur Zeit wirklich warte, ist das Erscheinen der Blutgabe – und das ist entspanntes, schönes Warten, wenn man mal von der Ungeduld absieht, die sich natürlich nicht abstellen lässt.

Aber, und da bin ich mittlerweile wohl voll und ganz Berufsautorin – man kann ja nicht mehr ohne Zappeln. Und deshalb, obwohl ich doch weiß, dass keine wichtigen Nachrichten anstehen zur Zeit, schaue ich trotzdem alle fünf Minuten in mein Postfach, ob mir nicht vielleicht meine Agentin geschrieben hat. Wegen … irgendwas. Um mir zu sagen, dass sie mich noch mag oder so, vielleicht. 😉

Nein, im Ernst, ich habe eine wirklich erstaunliche Feststellung gemacht: So sehr ich es auch hasse, zu warten – ich finde es fast noch unerträglicher, auf nichts warten zu können. Wenn alle Verantwortung ganz bei mir liegt, dass ich halt schreiben und voran kommen muss, damit ich etwas produziere, wofür ich Rückmeldungen einfordern kann. Das macht mich völlig kribbelig und auch recht ungeduldig mit mir selbst. Vor allem hemmt es mich und treibt mich in die Prokrastination – nicht so schlimm, dass ich gar nichts mehr tun würde, aber doch so sehr, dass ich zur Zeit keine 1.000 Wörter am Tag geschrieben bekomme, wo ich im November und Dezember in wenigen Stunden locker ein Vielfaches hingelegt habe.

Vielleicht bin ich auch einfach noch müde. Vielleicht liegt es am Wetter. Oder ich brauche einfach mal wieder Bestätigung. Vielleicht, hoffentlich, wenn mein Buch endlich erschienen ist, wird es besser. Denn dann kann ich ja wieder auf Rückmeldungen warten. Und dann ist hoffentlich auch der erste Teil Folgeband fertig, oder zumindest fast. Noch 43 Tage. Wow. Warum geht das eigentlich nicht schneller?! 😉

Das Regenbogen-Einhorn

Veröffentlicht: 13. Februar 2010 in Prokrastination und Selbstbetrug

Ich habe mal wieder ein großartiges Prokrastinationsmittel entdeckt. Oder viel mehr wurde es mir untergejubelt, ganz hinterhältig. Es ist ein Flashgame. Ein ganz fürchterliches Flashgame. Und es ist, wie sagt man „highly addictive“. Zumindest für mich, was ganz schlecht ist, denn nun habe ich ohne es zu merken schon eine halbe Stunde verspielt, bloß weil der Dialog zwischen Marie und Gabriel nicht so recht in Gang kommen will … Und ich habe ständig dieses Lied im Ohr! Hilfe! UND man wird ganz duselig im Kopf davon … whoaaa …

Nun ja, aber wie man sieht, habe ich mich erfolgreich losreißen können und werde die Zeit, die mir noch bleibt, bis ich zum Bahnhof muss, sinnvoll nutzen. Zum Schreiben nämlich. Ihr könnt ja so lange versuchen, meinen Highscore zu überbieten – der liegt zur Zeit bei 50.197 😉

Hier gehts zum Spiel – viel Spaß damit! 😛

Im Südpark

Veröffentlicht: 26. März 2009 in Prokrastination und Selbstbetrug

Heute habe ich ein neues Instrument zur Extrem-Prokrastination an die Hand bekommen: In den Southpark Studios kann man seit einer Weile sämtliche Southpark-Folgen im Original kostenlos ansehen. Die Serie läuft selbst auf meinem lahmen PC und in Vollbild völlig ruckelfrei und in einer Qualität, die für ein kostenloses Angebot mehr als anständig ist. Wer also mit American English kein Problem hat, dem sei diese Seite wärmstens empfohlen. Ich habe mich doch sehr gefreut, endlich die Scientology-Folge im Original sehen zu können – mit Tom Cruise als Tom Cruise, der sich in Stans Wandschrank einschließt. 😀

Ich jedenfalls freue mich darauf, noch viele schöne Stunden im Südpark verbringen zu können.

Poison Prince

Veröffentlicht: 16. Februar 2009 in Prokrastination und Selbstbetrug, Schreibtischtäter

Ich stelle fest: Es ist eine ganz dumme Idee, Musik zu hören, wenn man vorhat, zu schreiben. Zumindest, wenn die Musik nichts mit dem zu tun hat, was man eigentlich schreiben wollte. Man kommt nur auf dumme Ideen. Ich hatte mir so fest vorgenommen, heute mindestens 1000 Wörter Hämophagus zu schreiben!

Und dann kommt mir Amy MacDonald’s „Poison Prince“ dazwischen. Super Lied, ehrlich. Aber wie ich dabei auf einen von Geistern besessenen Popstar komme, ist mir schleierhaft. Nicht, dass er selbst wüsste, dass er besessen ist. Da braucht es schon ein drogensüchtiges Kind mit übersinnlichen Kräften, um das rauszufinden. Ja, genau. Skye hat endlich seinen Weg in eine meiner Geschichten gefunden. Im Grunde freut mich das. Aber gerade will ich ihn doch in meinem Kopf nicht haben! Katherine muss ihr Tagebuch finden! Heute noch! Gnaaaaaah …